Andreas Assum, Geschäftsführung Online Marketing bei ImmobilienScout24, war auf der der diesjährigen Real Estate Connect Conference in New York und hat uns netterweise eine Gastbeitrag mit seinen Eindrücken zur Verfügung gestellt. Ein großes Dankeschön dafür!

Nach einem etwas holprigen Flug mit flauem Gefühl im Magen waren die ersten Eindrücke von New York düstere Vorboten der tiefen Rezession in der sich die USA derzeit befinden. Die riesige Empfangshalle war fast leer und vor dem Flughafen regnete es in Strömen.

Verglichen mit letztem Sommer in San Francisco hat sich einiges verändert.

Positiv ist die Benzinpreisentwicklung, die sich dank der geringeren Steuerbelastung wesentlich stärker als in Deutschland zu Gunsten der Verbraucher und des Transportgewerbes auswirkt, so dass der Benzinpreis an der Tankstelle von einem All Time High bei gut 5 USD pro Gallone auf unter 2 USD zurückgegangen ist, was die USA um hunderte Milliarden Dollar pro Jahr entlastet.

Die Rezession trifft die USA aber mittlerweile mit voller Wucht. So wurde während der Konferenz ein Anstieg der Arbeitslosigkeit auf über 11 Mio. Menschen d.h. 7,2 % aller Erwerbstätigen und damit auf ein neues Hoch vermeldet. Dabei ist noch gar nicht berücksichtigt, dass noch einmal doppelt so viele Personen mit sogenannten „McDonald Jobs“ unterbeschäftigt sind und kaum genug zum Leben verdienen.

Die Zahl der „Foreclosures„, die mit unseren  Zwangsversteigerungen verglichen werden können, ist in 2008 mit 2,3 Mio. gemeldeten Einheiten fast doppelt so hoch wie im Vorjahr (d.h. mehr als jedes dritte Objekt in der Vermarktung ist eine Zwangsversteigerung und drückt damit besonders stark auf den Marktpreis). Im täglichen Leben schlägt sich das z.B. auch dadurch nieder, dass man sich im Fernsehen kaum noch vor Werbespots retten kann, die vollmundig versprechen mittels „Zwangsversteigerungen über Nacht zum Millionär zu werden“.

Was bedenklich stimmt ist, dass es kaum jemanden gibt der auch nur einen Hoffnungsschimmer am Horizont ausmachen kann. Der symptomatischste Kommentar kam hier von Brian Boero, 1000WattsConsulting, der meinte, dass die beste Nachricht ist, dass „es praktisch keine guten Nachrichten mehr gibt“.

Wenn man der reinen volkswirtschaftlichen Lehre glauben schenken will, dann würde das bedeuten, dass wenn die Aktienmärkte ihren Boden gefunden haben werden (was aktuell aber noch in den Sternen steht) und wieder nach oben drehen noch gut 6 Monate „Dürre herrscht“ bevor sich ein Aufschwung in der Realwirtschaft niederschlägt. Beim Immobilienmarkt sollte der Boden erreicht sein, wenn die Foreclosures wieder zurückgehen.

Was heißt das nun für Deutschland und insbesondere für den deutschen Immobilienmarkt?

Gesamtvolkswirtschaftlich nichts Gutes. Während die USA bereits mitten in der Rezession sind, hatten wir im November noch die niedrigste Arbeitslosigkeit seit dem Fall der Mauer. Die Welle kommt noch auf uns zu. Was den Wohnungsmarkt betrifft, so überlasse ich die Interpretation hier gerne den Experten. Nur so viel: Da die Exzesse der internationalen Immobilienmärkte an Deutschland vorübergegangen sind, besteht begründete Hoffnung, dass wir nicht so tief fallen werden.

Nach so viel düsteren Rahmenbedingungen nun aber zu den positiven Nachrichten:

Die Konferenz war für Brad Inman und sein hochprofessionelles Team wieder ein voller Erfolg. Die Teilnehmerzahl hat wohl trotz oder gerade wegen der Krise ein neues All-Time High erreicht. Und auch wenn es sich nach wie vor um eine US-Veranstaltung handelte, ist es gelungen eine große Anzahl internationaler Experten zu versammeln. So kamen bei einer Handbefragung zu Ende der Veranstaltung ca. 15 % der im Saal anwesenden 600-800 Teilnehmer nicht aus den USA. Insbesondere Europa war diesmal stärker vertreten. Für Erheiterung sorgte die Frage eines  Zuhörers zu Ende der „Global Real Estate Update“ Session, die er an den „Gentleman from Europe“ adressierte (wir fünf Herren waren allesamt Europäer, nur die Lady aus unserem Referentenkreis, Ms. Pam Alexander, kam aus Kanada).

Wer sich für die Besonderheiten des US-Immobilienmarktes interessiert sei hier insbesondere auf den Gastbeitrag von Ed Freyfogle von Nestoria zur Veranstaltung in San Francisco verwiesen. Das Thema Multiple Listing Service nahm wiederum einen breiten Raum ein. Janet Case, CEO von Proxio baut hier z.B. ein internationales Netzwerk auf. Wer Interesse hat, kann sich gerne an mich wenden und ich stelle den Kontakt her (Vorname.Nachname at ImmobilienScout24.de).

Was bemerkenswert war, wie weit der Trend online zu Vermarkten in den USA fortgeschritten ist. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Maklern, die das Wort „Crossmedial“ nicht mehr „in den Mund nehmen“ und nur noch online vermarkten. Dabei muss man nicht so weit gehen, wie der charismatische Gary Vaynerchuck, der in seiner Key Note Rede selbst Mailings an Stammkunden und das Außenposter an der Hauptverkehrsader als etwas frei übersetzte „verrückte Geldverschwendung“ verdammte.

Ansonsten gab es eine Vielzahl an Bestätigungen und Anregungen die mitgenommen werden konnten, um das Leben der vom Immobiliengeschäft Lebenden und sich mit Immobilien Beschäftigenden in Deutschland leichter zu machen und der selbst auferlegten Mission „Mobilität in Deutschland zu fördern“ gerecht zu werden. Um ein paar Beispiele zu nennen: Beim Gestalten und Verwalten von Bildern und Videos, Portieren der Anwendungen auf mobile Geräte, Unterstützen bei der Wandlung von Kontaktanfragen in Geschäft, Bereitstellen von Plattformen und Foren zum Austausch von Gedanken und dem Aufbau des in den USA zum Erfolg als „Conditio-sine-qua-non“ angesehenen „Personal Online Brand“ und natürlich Infos über die Entwicklung des Immobilienmarktes.

Bleibt noch zu erwähnen, dass das Wetter am Freitag aufhellte.

Für Deutschland ist zu hoffen, dass der Sturm zumindest am Wohnungsmarkt keinen größeren Kollateralschaden hinterlassen wird. Auswirkungen auf den Gewerbemarkt sind schon deutlich zu spüren und werden sich mit Ausweiten der Schlechtwetterfront noch verstärken (selbst in den USA wird angenommen, dass die aktuelle Leerstandsrate von 13 % noch auf 17 % ansteigen wird).