Seit Anfang des Jahres ist bekannt, dass die Deutsche Telekom die Scout24 Holding, zumindest teilweise, abstossen möchte. Der ursprüngliche Beitrag dazu wurde die letzten Wochen und Monate immer aktualisiert, wird jetzt aber etwas unübersichtlich. Daher geht es hier weiter.

08.07.: Die Financial Times schreibt mit Hinweis auf informierte Kreise, dass Finanzinvestoren wie KKR und Apax Interesse an der Übernahme eines 30-prozentigen Anteils der Scout24-Gruppe hätten. Dieser Anteil könnte 1,5 Milliarden Euro wert sein. In der engen Wahl seien mindestens fünf Bieter, darunter auch die Axel Springer Digital Classifieds.

26.07.: Über den gestern verkündeten Verkauf von Hamburger Abendblatt, Berliner Morgenpost, Hörzu und weiteren Titeln seitens der Axel Springer AG schreibe ich jetzt mal nichts. Das Thema geht ja rauf und runter in den Medien und es wird viel spekuliert über die Hintergründe und die Strategien. Interessant ist dabei die immer häufiger genannte Vermutung, der Verlag fülle durch den Verkauf seine Kriegskasse für die kostspielige Übernahme der Scout24-Gruppe.

So meldet Reuters, dass die 920 Millionen (bzw. 660 Mio.) bereits für das Bietergefecht eingeplant seien und beruft sich dabei auf mit der Transaktion vertraute Quellen. Bis kommenden Mittwoch sollen vorläufige Gebote abgegeben werden, für die mindestens 1,5 Milliarden Euro erwartet werden.

07.08.: Mittwoch letzter Woche ist die Frist für die erste Angebotsrunde abgelaufen. Reuters berichtet erneut aus dem Umfeld der Transaktion und schreibt, dass neben Springer auch die Finanzinvestoren Hellman & Friedman, Providence, CVC, EQT, KKR, Apax sowie Silverlake Gebote abgegeben haben. Die zweite Bieterrunde soll Mitte bis Ende September anstehen.

13.08.: Ein interessanter Beitrag auf Focus.de bringt EBay als möglichen Käufer von Immonet in Spiel, für den Fall dass das Kartellamt sonst Bedenken haben würde.

[..] Sollte Axel Springer  die Scout24-Gruppe kaufen, würde sicher das Kartellamt ein Wörtchen mitreden, denn Immonet gehört schon zu Döpfners Imperium. Ein Verkauf des kleineren Wettbewerbers, zum Beispiel an Ebay, wäre eine mögliche Lösung. [..]

Und der abschließende Kommentar der Autoren:

[..] Sollte der Scout24-Verkauf an Springer vorbeigehen, wäre das ein Dämpfer für Döpfners Digital-Strategie. Dann bliebe in Deutschland nur der mühselige Einzelkauf von kleinen und mittleren digitalen Unternehmen und Start-ups. Dass Springer mit einer Einkaufsliste über die Dörfer zieht, ist aber unwahrscheinlich. [..]

05.09.: Reuters meldet, dass Springer sich nun endgültig aus dem Bieterverfahren verabschiedet hat.

[..] Der Preis, der in den Verhandlung genannt wurde, habe sich für den Konzern angesichts der Wachstumsprognosen nicht mehr gerechnet, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Eine Unternehmenssprecherin bestätigte, dass die Firma derzeit nicht mehr an der Scout-Gruppe interessiert sei. [..]

 06.09.: Ebenfalls eine Reuters-Meldung die gestern Nachmittag von vielen Medien übernommen wurde:

[..] Ein Banker sagte: „Damit hat Springer die Botschaft geschickt: Wir sind nicht die, die den Preis treiben. Aber sie können immer noch am letzten Tag zurückkommen.“ Die Telekom will in der kommenden Woche eine Handvoll Bieter auswählen, die bis Mitte Oktober endgültige Offerten abgeben dürfen. [..]

10.09.: Bloomberg News will gestern erfahren haben, dass die Deutsche Telekom 4 Beteiligungsgesellschaften für die nächste Verkaufsrunde der Scout24-Holding Anteile ausgewählt hat. Dabei soll es sich um Apax Partners LLP, TPG Capital, Hellman & Friedman LLC und Silver Lake Management LLC handeln. Die Angebote würden zwischen 1,6 Mrd. und 2,0 Mrd.  Euro liegen. Endgültige Angebote gibt es wohl erst in der kommenden Woche. Auf jeden Fall scheint der Rückzug Springers aus dem Bieterverfahren erst gemeint gewesen zu sein. Es bleibt spannend.

23.09.: Langsam wird es konkreter. Das Manager Magazin schreibt, das schwedische Private-Equity-Unternehmen EQT habe überraschenderweise ein Angebot für eine 100-prozentige Übernahme unterbreitet. Das Geschäftsmodell sei überzeugend. Mit dabei sind (offiziell / den Mitteilungen nach) zur Zeit nur noch vier weitere Finanzinvestoren – Apax Partners, TPG Capital, Hellman & Friedman und Silver Lake. Ende Oktober sollen dann die endgültigen Angebote abgegeben sein. Interessant dürfte auch sein ob Axel Springer momentan nur die Füße still hält oder tatsächlich komplett raus ist. Kress.de schreibt nämlich heute mit Bezug auf den Focus (Quelle finde ich nicht), dass Springer immer noch Hoffnung habe.

10.10.: Einer neuen Reuters-Meldung zufolge befindet sich das Bieterrennen um Scout24 auf der Zielgeraden. Gebote sollen bis nächste Woche von den verbliebenen Bietern eingegangen sein. Eine Entscheidung wird die Telekom aber voraussichtlich erst Anfang November treffen. Laut der Meldung ist man in Bieterkreisen nicht zufrieden mit der Tatsache, dass die Telekom nur 30% der Scout24-Gruppe verkaufen möchte. Ein Investor könne damit kaum Einfluss auf das Unternehmen nehmen. Spekuliert wird auch noch darüber ob Axel Springer nicht doch im letzten Augenblick wieder mit einem Gebot einsteigen könnte. Das Handeltblatt berichtet zudem von einem Gebot des Ringier Medienunternehmens über 200 Millionen Schweizer Franken für die Hälfte des Schweizer Scout24-Ablegers. Es bleibt spannend.

24.10.: Nach Informationen des Manager Magazins hat die Deutsche Telekom von den fünf verbliebenen Bietern drei ausgewählt, die Zugang zu internen Informationen bekommen. Bei den Auserwählten handelt es sich um die Investoren EQT, Silverlake und Hellman & Friedman. Offen ist auch ob nur ein Teil der Scout24-Gruppe oder das von den Bietern gewünschte Gesamtpaket verkauft werden wird. Die Telekom erwartet offenbar noch mehr von ihrem zukünftigen Partner als nur eine Menge Geld. Deadline für ein endgültiges Gebot soll der 4. November sein.